Zeitzeuge

Barbara Lorenz

Baienfurt, Baden-Württemberg
* 1969

Es ist wichtig, die Vergangenheit zu kennen, um die Gegenwart zu verstehen und um die Zukunft besser gestalten zu können.

  • Zeitzeugin Barbara Lorenz als Kind in der Zeit der deutschen Teilung.
  • Zeitzeugin Barbara Lorenz heute.
Themen
  • Alltagserfahrungen
  • Flucht/Fluchthilfe
Sprache
  • Englisch
  • Französisch

Biografisches

1969 geboren in Lutherstadt Wittenberg
1971 erfolgreiche Flucht des Vaters mit einem Faltboot über die Ostsee
1972 gescheiterter Fluchtversuch der Mutter mit mir im Kofferraum eines US-amerikanischen Autos, Verhaftung der Mutter, Aufenthalt im Durchgangsheim Alt-Stralau
1972–1974 Betreuung durch die Großeltern in Petkus (Kreis Luckenwalde)
1974 Übersiedelung nach Baden-Württemberg
1975–1990 jährliche Besuche bei Verwandten in Brandenburg, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern
1988 Abitur
1988–1991 Ausbildung zur Krankenschwester in Biberach an der Riß
1991–1996 Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule (PH) Weingarten
seit 1998 Realschullehrerin in Baden-Württemberg, verheiratet, vier Kinder
seit 2022 ehrenamtliche Zeitzeugenarbeit an Realschulen der Region

Kurzbeschreibung

Ich wuchs sehr behütet bei meinen Großeltern und meiner Mutter in einem kleinen Dorf im Fläming auf, wo mein Großvater Pfarrer war. Mein Vater promovierte zu dieser Zeit am Institut für Forstwissenschaften in Eberswalde, geriet in politische Konflikte und suchte sein Heil schließlich 1971 in der Flucht über die Ostsee. Er landete in Dänemark und ging schließlich nach Baden-Württemberg. Meine Mutter beschloss Anfang 1972, ebenfalls zu fliehen, um die Familie wieder zusammenzuführen. Die Flucht – im Kofferraum eines US-amerikanischen Fahrzeugs – flog auf, meine Mutter kam daraufhin in Haft, u. a. in das Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Ich war damals 2 ½ Jahre alt und wurde für eine Woche im Durchgangsheim Alt-Stralau in Berlin untergebracht, bevor ich wieder zu meinen Großeltern kam.
Meine Mutter ging nach ihrer Freilassung nach Baden-Württemberg und versuchte mich nachzuholen, was schließlich 1974 gelang. Da ein Großteil meiner Familie weiterhin in der DDR lebte, fuhren meine Mutter und ich jedes Jahr zu Besuch dorthin, sodass ich das Leben und die Entwicklungen in beiden deutschen Staaten erleben konnte. Als Kind habe ich sicher vieles eher beobachtet als verstanden und eher hingenommen als hinterfragt. Diese Aufarbeitung steht jetzt in meinem Fokus. Im Zuge meiner Arbeit als Lehrerin und im Austausch mit meinen Kindern wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, über die Vergangenheit Bescheid zu wissen – weil Geschichte nicht einfach vorbei ist.