Themen
- Opposition/Bürgerrechtsbewegung
- Kirche
- Umbruchserfahrungen seit 1989/90
- historische Aufarbeitung
- Alltagserfahrungen
Biografisches
1966 geboren in Neuhaus (Elbe)
Kindheit in Tripkau (im Sperrgebiet an der innerdeutschen Grenze) und Schwerin
1972–1985 Schulbesuch in Tripkau, Schwerin und am Kirchlichen Proseminar (Gymnasium) in Naumburg (Saale)
seit 1980 Mitarbeit in den Jungen Gemeinden in Schwerin
1985 Abitur
1985–1988 Ausbildung zum Koch in Leipzig
Frühjahr bis Winter 1989 Teilnahme an etlichen Demonstrationen und Veranstaltungen der Bürgerrechtsbewegung in Leipzig
November 1989 Mitbegründer der Ortsgruppe Leipzig-Südwest des Neuen Forums
1989–1991 Theologiestudium am Theologischen Seminar (ab 1990 Kirchliche Hochschule) in Leipzig
1991–1997 Studium der Geschichte und Evangelischen Religion auf Lehramt in Göttingen
1997–2002 Promotion in Geschichte zum Dr. phil. zum Thema „Jugend nach dem Mauerbau“ (Buchveröffentlichung siehe unten)
2002–2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover
2003–2012 Redakteur der Zeitschrift „Deutschland Archiv. Zeitschrift für das vereinigte Deutschland“ (hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung)
2013–2014 Leiter des Wahlkreisbüros einer SPD-Abgeordneten im Niedersächsischen Landtag
2014–2025 Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Rat der Landeshauptstadt Hannover
2020–2025 Mitglied des Stadtbezirksrates Buchholz-Kleefeld in Hannover
seit 2025 Angestellter der Landeshauptstadt Hannover
Veröffentlichungen (Auswahl)
Marc-Dietrich Ohse: „Wir haben uns prächtig amüsiert“. Die DDR – ein „Staat der Jugend“?, in: Thomas Großbölting (Hrsg.): Friedensstaat, Leseland, Sportnation? DDR-Legenden auf dem Prüfstand. Berlin: Ch. Links Verlag und Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 2010, S. 74–91.
Marc-Dietrich Ohse: Die DDR im innerdeutschen und internationalen Kräftespiel. Nachwort, in: Ed Stuhler: Die letzten Monate der DDR. Die Regierung de Maizière und ihr Weg zur deutschen Einheit. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 2010, S. 231–238.
Marc-Dietrich Ohse: Da lag die Staatsferne nahe und die Staatsnähe fern, in: Eckhard Jesse und Thomas Schubert (Hrsg.): Zwischen Konfrontation und Konzession. Friedliche Revolution und deutsche Einheit in Sachsen. Berlin: Ch. Links Verlag, 2010, S. 244–260.
Marc-Dietrich Ohse: „Wir sind ein Volk!“ Die Wende in der Wende, in: Klaus-Dietmar Henke (Hrsg.): Revolution und Vereinigung 1989/90. Als in Deutschland die Realität die Phantasie überholte. München: dtv, 2009, S. 269–283.
Marc-Dietrich Ohse und Detlef Pollack: Dissidente Gruppen in der DDR (1949–1989), in: Roland Roth und Dieter Rucht (Hrsg.): Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Ein Handbuch. Frankfurt am Main/New York: Campus Verlag, 2008, S. 363–390.
Marc-Dietrich Ohse: Jugend nach dem Mauerbau. Anpassung, Protest und Eigensinn (DDR 1961–1974). Berlin: Ch. Links Verlag, 2003.
Kurzbeschreibung
Als Pfarrerskind lag mir Systemnähe fern und Systemferne nah. Das erlebte ich im schulischen Alltag wie auch in der Freizeit, in der kirchlichen Jugendarbeit und in der Auseinandersetzung mit dem SED-Staat. Ich war kein Dissident oder Bürgerrechtler der ersten Reihen, hatte aber Kontakte in verschiedene Szenen.
Im Frühling und Herbst 1989 kulminierte die Auseinandersetzung zwischen Dissidenz und SED-Staat in Leipzig: in verschiedenen Veranstaltungen wie dem Pleiße-Gedenkmarsch oder dem Straßenmusikfestival sowie schließlich in den Montagsdemonstrationen – und diese wiederum am 9. Oktober, als die sogenannte „chinesische Lösung“ drohte, die gewaltsame Niederschlagung der Proteste. Die Erlebnisse dieser Monate bilden die intensivste Zeit meines Lebens. Dass sie in die Vereinigung der beiden deutschen Staaten mündete, war weder vorauszusehen noch mein Motiv, mich an den Protesten zu beteiligen.
Zweifellos gehöre ich zu den „Wendegewinnern“, eröffneten sich mir doch in Folge der Friedlichen Revolution Wege, die ich bis dahin nicht für möglich gehalten hatte. Die Errungenschaften der Freiheit in verschiedenen Bereichen, wie etwa in der Politik, prägen mich und mein Engagement bis heute.
Als Historiker habe ich mich unter anderem mit der Zeit 1989/90, aber auch mit dem Alltag Jugendlicher in der DDR intensiv befasst und dazu auch verschiedene Beiträge veröffentlicht. Insofern fließen in meine Betrachtungen Zeitzeugenschaft und historische Reflexion gleichermaßen ein, können aber je nach Vereinbarung unterschiedlich gewichtet werden.